Wärmepumpe vs. Gasheizung — die Zahlen und jede Förderung, die sie verändert

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Wärmepumpe im Altbau: was wirklich vorher gedämmt werden muss

Die verbreitete Antwort lautet „erst dämmen, dann Wärmepumpe“. Das ist teilweise richtig und wird meist falsch begründet. Die entscheidende Größe ist nicht der U-Wert, sondern die Vorlauftemperatur.

Im Altbau wird die Wärmepumpe fast immer mit demselben Satz abgelehnt: „Erst muss gedämmt werden.“ Der Satz ist nicht falsch, aber die Begründung ist meistens die falsche. Es geht nicht in erster Linie darum, den Verbrauch zu senken — es geht darum, die benötigte Vorlauftemperatur zu senken.

Der Zusammenhang, um den es geht

Ihre Heizkörper wurden für 70/55 °C ausgelegt. Sinkt die Heizlast eines Raums, reicht derselbe Heizkörper bei niedrigerer Wassertemperatur. Sinkt die Vorlauftemperatur, steigt der SCOP: von 55 °C auf 45 °C sind es etwa 0,6 Punkte, also rund 18 % weniger Strom für dieselbe Wärme.

Die relevante Frage ist deshalb nicht „wie viele kWh spare ich durch die Dämmung“, sondern „um wie viel Grad senkt diese Maßnahme meine Auslegungs-Vorlauftemperatur“. Und diese Frage beantwortet sich raumweise, nicht für das Gebäude als Ganzes.

Reihenfolge nach Wirkung auf die Vorlauftemperatur

  1. Oberste Geschossdecke oder Dach. Günstig, schnell — und wirkt am stärksten auf die Räume, die typischerweise die Vorlauftemperatur bestimmen: die Zimmer unter dem Dach.
  2. Kellerdecke. Ebenfalls günstig. Wirkt auf Fußkälte und damit auf die empfundene Temperatur, was in der Praxis erlaubt, die Raumtemperatur um ein Grad zu senken.
  3. Fenster mit Einfachverglasung. Nicht wegen des U-Werts allein, sondern weil Strahlungsasymmetrie in Altbauräumen mit großen Fenstern häufig der eigentliche Grund für hohe Vorlauftemperaturen ist.
  4. Einzelne Heizkörper vergrößern. Fast immer die billigste Maßnahme pro Grad Vorlauftemperatur — und trotzdem die am seltensten vorgeschlagene.
  5. Fassadendämmung. Wirksam, aber teuer und im denkmalgeschützten oder Sichtmauerwerk-Bestand oft nicht möglich. Nicht die Voraussetzung, die viele daraus machen.

Was Sie im Altbau nicht brauchen

Sie brauchen keine Fußbodenheizung. Sie brauchen keinen Effizienzhaus-Standard. Sie brauchen genügend Übergabefläche, um die Heizlast bei etwa 45 bis 50 °C zu decken — und in vielen Altbauten sind die Heizkörper bereits großzügig dimensioniert, weil sie nach Katalog und nicht nach Rechnung eingebaut wurden.

Annahmen hinter diesen Zahlen

  • Strompreis 0,3110 €/kWh (Bestandskunden), Wärmepumpentarif 0,2300 €/kWh, Gaspreis 0,1160 €/kWh
  • SCOP-Zuordnung: 55 °C → 2,8; 50 °C → 3,0; 45 °C → 3,4; 35 °C → 3,9
  • Heizkörperexponent n ≈ 1,3 bei 20 °C Raumtemperatur
  • Berechnungen, keine Angebote. Maßgeblich ist eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831.

Und die Förderung

Der Zeitpunkt ist hier ungewöhnlich wichtig: die Grundförderung für Wärmepumpen soll im ersten Quartal 2027 von 30 % auf 15 % sinken. Wer die Dämmung 2027 macht und die Wärmepumpe erst danach beantragt, verliert die halbe Grundförderung. Die Reihenfolge „Antrag 2026, Umsetzung 2027“ ist zulässig, weil der Zeitpunkt der Antragstellung zählt — siehe die Februar-2027-Klippe und den Verlustrechner dort.

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Holen Sie mindestens drei Angebote ein. Verlangen Sie von jedem Betrieb die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und die geplante Auslegungs-Vorlauftemperatur schriftlich — diese Zahl bestimmt Ihre Betriebskosten stärker als das Markenlogo.

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Häufige Fragen

Muss man vor einer Wärmepumpe dämmen?

Nicht zwingend das gesamte Gebäude. Entscheidend ist, die benötigte Auslegungs-Vorlauftemperatur auf etwa 45 bis 50 °C zu senken. Dach- und Kellerdeckendämmung sowie das Vergrößern einzelner Heizkörper wirken dabei pro Euro meist stärker als eine Fassadendämmung.

Welche Vorlauftemperatur braucht ein Altbau?

Mit vergrößerten Heizkörpern und gedämmter oberster Geschossdecke sind 45 bis 50 °C in den meisten Altbauten erreichbar, was einem SCOP von etwa 3,0 bis 3,4 entspricht.

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